
Bis 1933 war kirchliche Jugendarbeit in Deutschland und in der Kirchenprovinz Schlesien geprägt von pluralistischen Strukturen. Der CVJM als freier Träger betrieb die christliche Jugendarbeit auf der Grundlage der Pariser Basis. Mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten und ihren Bestrebungen, die gesamte Gesellschaft, einschließlich Kirchen und kirchlicher Jugendarbeit ihren Interessen unterzuordnen und dienstbar zu machen, sollte sich die Situation kirchlicher Jugendarbeit grundlegend ändern.

Am 19.12.1933 unterschrieb Reichsbischof Ludwig Müller gegen den Protest der Reichsführung des evangelischen Jugendwerkes den Vertrag über die Eingliederung der evangelischen Jugend in die Hitler Jugend. Um der Eingliederung zu entgehen, beschlossen die Führer des evangelischen Jugendwerkes am 3.2.1934 die Auflösung der Jugendarbeit. In der Kirchenprovinz Schlesien erfolgte die Eingliederung des CVJM bzw. des Jungmännerbundes in die HJ am 4.3.1934.
Die evangelische Jugendarbeit unter 18 Jahren konnte es von nun an nur noch im Rahmen der Gemeindearbeit geben.

Durch den Krieg kam ein Großteil der Arbeit zum Erliegen, da haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter zum Kriegsdienst eingezogen wurden.
Schon 1945 begann kirchliche Jugendarbeit wieder. Die Jugendlichen kamen zum großen Teil aufgeschlossen und dankbar für alle Angebote und Anregungen der Kirche.
Nach dem 2. Weltkrieg hatte die Jugendarbeit ihre Wurzeln in der Tradition schlesischer Jünglingsvereine, der CVJM und der Gemeindejugendarbeit. Das Jungmännerwerk in der „restschlesischen „ Kirche etablierte sich als Landesstelle des Jungmännerwerkes der EKU (Bereich Osten) und hatte ihren Sitz in Görlitz.

Jungmänner-Rüstzeit 1951 in Biesnitz
Bis 1943 hatte Görlitz einen CVJM in der Jakobstraße 24.
Das Hospiz, die Turnhalle, die Büro- und Gruppenräume waren vielen Görlitzern ein Begriff.
Nach dem Krieg durfte die vereinsmäßige, christliche Jugendarbeit nicht wieder aufgenommen werden. Im Evangelischen Jungmännerwerk blieb sie aber dem Inhalt nach lebendig. Daran hatte die enge Partnerschaft mit dem CVJM Baden, für die Görlitzer besonders mit dem Verein in Wilferdingen, wesentlichen Anteil. Am 26. Januar 1991 fand im Saal Jakobstraße 24 die Gründungsfeier des neuen CVJM Görlitz e. V. statt.
Ab dem Jahr 1952 gab es zunehmend Schwierigkeiten. Plötzlich erregte das Tragen des Kugelkreuzes (Bekenntniszeichen der Jungen Gemeinde) aufsehen. Jugendliche wurden deswegen in der Öffentlichkeit angepöbelt. Schließlich verbot man das Tragen des Bekenntniszeichens in der Schule völlig. Im Frühjahr 1953 wurde eine regelrechte Hetzkampagne gegen die Junge Gemeinde inszeniert. Aber auch in den Schulen wurde massiv gegen die Junge Gemeinde vorgegangen.

Am 10.06.1953 trafen sich überraschend Vertreter des Ministerrates der DDR und Vertreter der Evangelischen Kirchen zu einem Gespräch. Gegenstand der Besprechung war die Überprüfung des Verhältnisses zwischen Staat und Kirche. Daraufhin hörten die massiven Angriffe gegen die Jungen Gemeinde auf.
Kirche und kirchliche Jugendarbeit erlebten die Ära der DDR als eine fast ständige Konfrontation mit dem SED-Staat. Die Verfolgung der Jungen Gemeinde 1953, die Auseinandersetzung um die Jugendweihe, der Mauerbau, die zunehmende Militarisierung und die Wende begleiteten die Inhalte kirchlicher Jugendarbeit.
Auszüge aus: „Konzeption der Jugendarbeit“ von Reinhard Menzel, Görlitz
Am 28. Dezember 1990 wurde der CVJM-Landesverband Görlitzer Kirchengebiet e. V. gegründet.
Nachdem sich im Dezember 1990 der CVJM Görlitz gegründet hatte, folgten bald weitere Ortsvereine. Am 20. April 1991 wurden die neu gegründeten CVJM Landesverbände der neuen Bundesländer in den Gesamtverband aufgenommen. Damit waren wir eingegliedert in die große Gemeinschaft des deutschen, des europäischen und weltweiten CVJM.

Gründungsversammlung 1990
Die Gründung eines eigenständigen Landesverbandes war eine Entscheidung, die nicht gegen das Ostwerk gerichtet war, sondern den jungen Leuten in unserer Region zu gute kommen sollte. In einer engen Bindung an die Evangelische Kirche sollte eine Arbeitsform gefunden werden, die am flexibelsten auf die Herausforderungen der missionarischen Jugendarbeit eingestellt war. Dies konnten sich viele der Beteiligten – Beirat des Evangelischen Jungmännerwerkes des Görlitzer Kirchengebietes, Jugendwartkonvent, Ehrenamtliche und Hauptamtliche – nur als Landesverband vorstellen, der Mitglied im CVJM-Gesamtverband werden würde. Die Entwicklung der vergangenen 20 Jahre gab ihnen recht. 2009 existieren 17 eng miteinander zusammen arbeitende Vereine, die in jeder Woche rund 3000 Kinder und Jugendliche erreichen.
Auszüge aus: „Warum wir selbständig werden wollten“ von Thomas Brendel, Görlitz


